Bei uns in der Familie- Mama, Papa, zwei Kinder im Alter von 4,5 und 6 Jahren wird gespielt, ihr wisst es. Regelmäßig bieten und ich meinem Mann den Kindern Spiele an, die wir dann zusammen spielen. Letztes Jahr habe ich der Großen „Mensch, ärgere dich nicht“ beigebracht. Kurz darauf konnte es der Kleine auch und spielt es jetzt mit purer Begeisterung. Es fungiert auch als gutes Trostmittel: Wenn er ziemlich traurig ist und ich ihn frage, wie ich ihn trösten könnte, antwortet er oft unter Tränen: Können wir Mensch, ärgere dich nicht spielen?
Nun haben wir ein Spielbrett, das nicht so aussieht wie das normale Mensch ärgere dich nicht, Spiel. Es nennt sich „Pachisi“ und ich bin ja nun ziemlich neugierig. Deshalb habe ich in die Spielanleitung geschaut und festgestellt, dass es ein paar andere Spielregeln bei diesem Spiel gibt. Ich habe dann bei Chat- GPT einmal nachgeforscht, woher dieses dem Mensch, ärgere dich nicht ähnliche Spiel herkommt und habe einige interessante Dinge erfahren. Im Folgenden bereite ich diese Recherchen ein wenig auf. Die Grundlage sind aber die Infos von Chat-GPT.
Vom indischen Königshof ins deutsche Wohnzimmer
Kaum ein Brettspiel hat Generationen so geprägt wie Mensch ärgere Dich nicht. Fast jeder kennt die typischen Momente: die große Hoffnung kurz vor dem Ziel, das triumphale „Rauswerfen“, den Frust über eine einzige falsche Zahl und natürlich den berühmten Satz: „Nun ärgere dich doch nicht!“ Ich muss sagen, dass seitdem wir dieses Spiel bei uns eingeführt haben, habe ich diesen Satz von unserem Jüngsten so oft gehört und all diese Situationen hier zu Hause erlebt. Manchmal läuft es, mal überhaupt nicht. So weit so gut, aber wem haben wir dieses Spielprinzip denn zu verdanken? Nicht den Schweizern, das ist auf jeden Fall klar!
Die eigentliche Herkunft: Indien statt Deutschland
Der Ursprung der gesamten Spielfamilie liegt höchstwahrscheinlich im indischen Spiel Pachisi. Bereits vor mehreren Jahrhunderten wurde Pachisi an indischen Königshöfen gespielt. Besonders bekannt wurde es unter dem Mogulkaiser Akbar im 16. Jahrhundert.
Wie daraus „Ludo“ wurde
Während der britischen Kolonialzeit gelangte das Spiel nach Europa. Die Engländer vereinfachten die Regeln erheblich: weniger Strategie, klarere Würfelregeln, schnellere Partien und familienfreundlicher Ablauf. So entstand Ende des 19. Jahrhunderts die bekannte Variante Ludo.
Die Geburt von Mensch ärgere Dich nicht
Der deutsche Verleger Josef Friedrich Schmidt entwickelte Anfang des 20. Jahrhunderts die heute bekannte deutsche Version. Sein Ziel war ein Spiel, das jeder sofort versteht und das Spannung ohne komplizierte Regeln erzeugt.
Warum das „Rauswerfen“ so viel Spaß macht
Psychologisch ist das Spiel erstaunlich clever. Mit extrem einfachen Regeln erzeugt es Hoffnung, Schadenfreude, Frust, Spannung, Triumph und Revanche. Genau diese emotionalen Momente machen den Reiz des Spiels aus und man kann anhand dieser ganzen Gefühle den Kindern leicht erklären, welche Gefühle hinter diesen Gefühlen stecken.
Eine weltweite Spielfamilie
Heute existieren weltweit zahlreiche Varianten: Ludo in England, Parchís in Spanien, Parcheesi in den USA oder Aeroplane Chess in China. Viele Namen drehen sich emotional um dasselbe Thema: Ärger, Frust, pure Spielfreude und natürlich Schadenfreude. Was ich aber besonders schön finde ist, dass wir uns immer gegenseitig gratulieren, wenn einer ein Männchen zu Hause hat.
Überhaupt bemerke ich, dass unsere Kinder -und auch ich- manchmal stark an der Gefühlsregulierung arbeiten, wenn wir dieses Spiel spielen. Zwischen “ oh nein, bitte, bitte schmeiß nicht, ich bin im nächsten Zug zu Hause“ und „haha, ich habe dich geschmissen vor dem Haus!“ liegen manchmal nur Minuten.
Fernsehen, Familienabende und der große Boom
In den 1950er- und 1960er-Jahren wurde das Spiel endgültig zum Massenphänomen. Das lag auch am neuen Familienleben der Nachkriegszeit mit gemeinsamen Wohnzimmern und Fernsehabenden. Brettspiele wurden Teil der neuen Gemütlichkeit.
Warum das Spiel bis heute funktioniert
Trotz Fernsehen, Videospielen, Smartphones und Streaming hat das Spiel überlebt. Es schafft etwas, das digitale Medien oft nicht ersetzen können: echte direkte soziale Spannung. Genau so ist es, was wären wir als Familie ohne dieses Spiel.
Ein erstaunlich modernes Urspiel
Das Faszinierende ist: Ein Spielprinzip aus dem alten Indien funktioniert noch immer in modernen Wohnzimmern weltweit. Vielleicht gerade deshalb, weil es so einfach ist: würfeln, hoffen, riskieren, verlieren, zurückkommen und gewinnen.
Überhaupt bemerke ich, dass unsere Kinder -und auch ich- manchmal stark an der Gefühlsregulierung arbeiten, wenn wir dieses Spiel spielen. Zwischen “ oh nein, bitte, bitte schmeiß nicht, ich bin im nächsten Zug zu Hause“ und „haha, ich habe dich geschmissen vor dem Haus!“ liegen manchmal nur Minuten.
Ein tolles Spiel, um gemeinsam Zeit zu verbringen und Gefühlsregulation zu lernen.
Wer spielt noch mit seinen Kindergartenkindern „Mensch ärgere dich nicht!“? spielt ihr eher Ludo oder Parchisi?