Vorschulzauber Tag : GfK- Gewaltfreie Kommunikation

Gewaltfreie Erziehung ist seit dem Jahre 2000 im Gesetz verankert. Erst seitdem ist es gesetzlich untersagt, seinem Kind eine Ohrfeige zu geben. Dies kann seitdem als Körperverletzung verfolgt werden. Im Vergleich dazu war in der ehemaligen DDR schon seit 1949 verboten. Das ist das eine, die gewaltfreie Erziehung.

Für mich einher geht damit auch die gewaltfreie Kommunikation. Während viele die gewaltfreie Erziehung mittlerweile abnicken, haben viele noch erhebliche Schwierigkeiten mit der gewaltfreien Kommunikation. Oder vielleicht würden viele diese Sprache liebend gerne mehr sprechen und ihnen fällt auf, dass das gar nicht so einfach ist.  Der Begründer Marshall Rosenberg hat sie auch die Sprache des Lebens genannt.  Weil sie für ihn mit den Bedürfnissen und Gefühlen wichtige Lebensbereiche nachempfindet und sprachlich darstellen will. Marshall Rosenberg nannte diese Sprache übrigens auch Sprache des Herzens. Hier gibts einen kleinen Einblick in diese überaus wertschätzende Art der Kommunikation. 

https://www.deutschlandfunkkultur.de/lange-nacht-ueber-gewaltfreie-kommunikation-eine-sprache-100.html

Wie jedes Tool oder Modell gibt es gewisse Grundannahmen. So auch bei der gewaltfreien Kommunikation. Schauen wir sie einmal die wichtigsten an: 

  1. Alle Menschen machen das Beste,  um ihre eigenen Bedürfnisse zu erfüllen. Jedem einzelnen Menschen sind die Bedürfnisse, die er hat, am wichtigsten. Wenn man nur mit dieser Grundannahme an jeden Konflikt herangehen würde, würden viele Konflikte anders gelöst werden. Denn dann würde der jeweils andere verstehen, dass es nicht um die Sache beim Konflikt selbst geht, sondern um ein Bedürfnis dahinter. 
  2.  Wenn andere Menschen, mit dem was sie tun oder sagen, etwas Komisches auslösen, dann liegt es nicht an dem anderen Menschen, sondern an mir.  Das Tun oder Gesagte der anderen kann nur ein Auslöser niemals die Ursache. Wie wohltuend, oder? Der andere ist nicht schuld an meinem so Reagieren, sondern ich selber. Ein wichtiger Punkt: Ich kann und sollte für meine Gefühle Verantwortung übernehmen. Und genauso für meine Bedürfnisse.
  3. Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse, die Strategie zur Erfüllung ist jedoch unterschiedlich.  Auch diese Grundannahme finde ich äußerst heilsam, denn es ist sehr gut zu wissen, dass derjenige, mit dem ich gerade einen Konflikt, genauso Bedürfnisse und sogar die gleichen Bedürfnisse hat. Es ist ein ähnliches Denken mit dem gleichen Ziel: Die Bedürfnisstillung. Wenn diese Annahme für beide klar ist, kann man doch höchstens über die Strategie streiten und da einfach nicht einer Meinung sein. 
  4.  Jeder einzelne ist für die Erfüllung seiner Bedürfnisse selber verantwortlich.  Einer der besten Sätze in meinen  20ern war: Nicht jede Freundin wird mit mir ins Kino gehen, denn erstens ist es mein Bedürfnis ( und nicht unbedingt ihr Bedürfnis) und zweitens kann ich mir mein Bedürfnis, weil ich dafür verantwortlich bin, selbst erfüllen.  Was für ein Potential liegt darin, wenn Kindern dies schon beigebracht wird, dass sie  sich selber ihre Bedürfnisse erfüllen können und dürfen, denn sie sind ja auch dafür verantwortlich. In der bedürfnisorientierten Erziehung sollte es meiner Meinung ein klares Ziel sein, dass Kinder mit dem Heranwachsen mehr und mehr ihre Bedürfnisse erkennen, drüber reden können und sie auch wissen, wie sie erfüllen können und Strategien entwickeln dürfen, wie sie dieses Bedürfnis erfüllen können. 
  5.  Und last but not least die fünfte Grundannahme: Jeder Mensch hat das ureigene Bedürfnis,  zum Wohle anderer beizutragen.  Gerade für gestresste und genervte Eltern von Vorschülern ist das eine unglaublich gute Nachricht. Was ist das für ein Geschenk, wenn Kinder von sich aus mithelfen und man daran teilnehmen kann. Was ist das für ein Geschenk, wenn sie von sich andere sehen und mit Empathie begegnen können. Was ist das für ein Geschenk, wenn auf einmal diese weiche Seite zum Vorschein kommt und man weiß instinktiv, dass man vieles richtig gemacht hat.  Und wie schön ist, wenn Kinder dieses freiwillig tun ohne dass sie Angst vor Strafe oder Konsequenzen haben, sondern einfach aus diesem Bedürfnis heraus, Teil der Gemeinschaft zu sein.  In dem Bewusstsein, dass jeder dieser Gemeinschaft das gleiche Bedürfnis hat.  Wer sich mit den Grundannahmen näher beschäftigen will , dem sei diese Seite empfohlen: 

https://www.onlinepraxis-petersohn.de/post/grundannahmen-der-gewaltfreien-kommunikation

Wie Marshall Rosenberg zur GFK kam

Als Kind der 30er in einem von Rassenkonflikten heimgesuchten Viertel, einem Stone-Face Vater und einer passionierten Kartenspielerin und Profi- Bowlerin, die ihm verbal beibrachte, zurückzuschlagen, war es fast ein Wunder, dass ausgerechnet der Begründer der GFK war. Seine Eltern waren mit der Pflege der eigenen Eltern und den Berufen beschäftigt. Der einzige, der ihm öfter ein Lächeln entgegenbrachte, ihn wahrnahm und zuhörte, war sein Onkel Julius. 1943 lebte die Familie in der Autostadt Detroit. Dort bekam er mit, wie innerhalb einer Woche der Rassekämpfe 30 Menschen getötet wurden. Er selber machte auch Gewalterfahrungen und durfte das Haus eine Zeitlang nicht verlassen. Angesichts dieser Erfahrungen wurde außerhäuslich zum Raufbold und zu Hause recht still. 

Innerlich bewegten ihn verschiedene Fragen: Wie kamen Menschen dazu, sich wehzutun? Welche Einwirkungen müssen passieren, dass jemand gewalttätig wird?  Wieso bleiben manche Menschen selbst unter schwierigsten Erfahrungen empathisch und wie kann man Gewalt verhindern? 

Diese Fragen hoffte er sich in einem Psychologiestudium zu beantworten. Dem war nicht so. Rückblickend wird er sagen, dass nur die Begegnung mit einfühlsamen und inspirierenden Persönlichkeiten sein Denken schulte. U. a. begegnete er Al Chapelle, dem Anführer einer Gang in den Ghettos und Carl Rogers. Diese zwei werden in dem Zusammenhang immer wieder genannt. Al Chapelle zeigte ihm auf, wie Gangmitglieder dachten, Carl Rogers war sein Chef. Ersterer zeigte ihm die Perspektive der Seite seiner Gegner und mit Carl Rogers erarbeitete er das klientenzentrierte Kommunikationsmodell. Wer mehr über den Begründer der GfK wissen möchte, dem sei dieser Artikel empfohlen. 

https://www.empathie.com/medien/detail/marshall-rosenberg-biografie/

Kommunikationsstrategie der GfK

Die Grundlage jeder zielorientierten Kommunikation ist die Beobachtung: 

  1. Die Beobachtung. Sie ist außerordentlich wichtig, weil damit die Sache dargestellt werden. Es geht um etwas, was ich gesehen habe, das in mir etwas auslöst.
  2. Gefühl. Im Folgenden geht es um ein Gefühl, oft ein gefühlt negatives wie Ärger, Wut, Traurigkeit
  3. Dem Gefühl zugrunde liegt ein Bedürfnis- wir erinnern uns: Alle Menschen haben die gleichen Bedürfnisse, hier ist also die Gemeinsamkeit, an der der andere anknüpfen kann. Oft erfolgt hier dann ein „das verstehe ich, das kenne ich, das möchte ich auch“.
  4. Aus dem vereinten Bedürfnis heraus entsteht dann eine Bitte, auf die der andere eingehen kann oder nicht.  Wichtig ist hierbei, das Anliegen wirklich als Bitte zu formulieren.  Eine Bitte ist etwas, das der andere ablehnen  kann und natürlich auch darf. 

Soweit zur GfK für heute. Morgen wird es darum gehen, wie die GfK bei den Konflikten mit den Vorschülern helfen kann.  Nur so viel, sie hilft wirklich. 

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