Zahlenverständnis und Rechenfähigkeiten gehören zu grundlegenden schulischen Kompetenzen. Wer nicht rechnen kann, hat bei vielen anderen Leuten einen schweren Stand, wird belächelt oder sogar ausgelacht. Aber auch hier dies nicht eine Sache des Wollens. Bei Dyskalkulie handelt es sich um eine spezifische Lernstörung, bei der Betroffene auch bei ausreichendem Lernen und normaler Intelligenz Schwierigkeiten im Rechnen haben. Im ersten Beitrag dieser Serie geht es um die Definition gemäß ICD-10 sowie zentrale Symptome, um erste Anzeichen früh zu erkennen.
- Definition nach ICD-10ICD-10-GM (Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, Deutsches Modifikationshandbuch) verwendet häufig den Begriff „Spezifische Lernstörung mit Schwierigkeiten beim Rechnen“. In vielen Textfassungen begegnet man auch der Bezeichnung „Nonverbale Lernstörung mit Schwierigkeiten beim Rechnen“ oder allgemein „Spezifische Lernstörung mit Rechenproblemen“.
- Kernkriterien (typisch in Diagnosestellungen):
- Deutliche und anhaltende Schwierigkeiten beim Erlernen oder Ausführen von Rechenaufgaben, die das schulische Leistungsniveau deutlich mindern.
- Fehlerhafte oder langsame Rechenleistung trotz intakter Intelligenz, angemessener Bildung und ausreichender Lernmöglichkeiten.
- Beginn der Symptome im schulpflichtigen Alter, meist vor dem 7. Lebensjahr, oft schon früh im Grundschulalter erkennbar.
- Störung kann sich auf Zahlenverständnis, Rechenoperationen, Problemlösefähigkeiten oder das räumlich-gnostische Vorstellungsvermögen beziehen.
- Hinweis zur Diagnostik:
- Umfasst differenzierte psychometrische Tests und den Ausschluss anderer Ursachen (Seh-/Hörprobleme, neurologische Erkrankungen, allgemeine Intelligenzminderung, disruptive Umweltfaktoren).
Bei der Diagnosestellung ist es so, dass Kinder- und Jugendpsychiater ( KJP), psychologische Psychotherapeuten und Ärzte für Kinder-und Jugendpychiatrie und Psychotherapie und basiert auf DSM/ICD-Kriterien sowie schulischer Leistungsbeurteilung. Pädagogen dürfen keine Diagnose stellen, machen aber häufig durch einen Verdacht auf eine mögliche Diagnose aufmerksam.

Diese Folie ist aus meiner Fortbildung für die Kindergartenakademie. 2x im Jahr gebe ich an zwei Tagen diese Fortbildung für Erzieher*innen und andere Fachkräfte, die sich zu diesem Thema weiterbilden wollen.
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Diese Fortbildung wird u.a. auch mit meiner eigenen Erfahrung getragen, denn ich habe tatsächlich eine ( leichte) nicht diagnostizierte Dyskalkulie.
Morgen wird es um die Frage gehen, woher so eine Dyskalkulie kommt und wie ein Leben mit Dyskalkulie aussehen kann.