ABC-Methode: Was Stadt, Land, Fluss mit Vokabel-lernen zu tun hat

Erinnerst du dich noch an Stadt, Land, Fluss? Als Kind im Grundschulalter und darüberhinaus habe ich es supergerne gespielt.

Ein Blatt Papier, ein paar Kategorien und das Alphabet. Schon geht es los: Welche Stadt fällt mir mit A ein? Welches Tier beginnt mit B? Und was war noch gleich ein Land mit S?

Manchmal sprudeln die Ideen nur so. Bei anderen Buchstaben wollte mir partout nichts einfallen. Und plötzlich erinnere ich mich an Begriffe, von denen ich gar nicht wusste, dass man sie noch im Kopf hatte. Außerdem erwischt man nicht so wissbegierige Erwachsene dabei, dass sie bestimmte Möbelstücke oder Tiere gar nicht kennen. Ein Onkel wollte mir glatt weismachen, dass es den Ohrensessel gar nicht gibt.

Genau dieses Prinzip steckt auch hinter der ABC-Liste, die vor allem durch Vera F. Birkenbihl bekannt geworden ist. Sie hat diese Methode für Unis und andere Institutionen bekannt gemacht.

Aber was hat das mit Lernen zu tun? Und kann uns diese Methode tatsächlich beim Vokabellernen helfen?

Von Stadt, Land, Fluss zur ABC-Liste

Vera F. Birkenbihl war eine deutsche Managementtrainerin, Sachbuchautorin und Lernexpertin. Sie beschäftigte sich intensiv mit der Frage, wie Menschen Wissen aufnehmen, verarbeiten und behalten können.

Die ABC-Liste gehört zu den Methoden, die sie bekannt gemacht und für Lern- und Denkprozesse nutzbar gemacht hat. Dabei wird das Alphabet zum Ausgangspunkt für eigene Gedanken und Assoziationen.

Das Grundprinzip ist einfach: Du schreibst die Buchstaben A bis Z untereinander auf. Anschließend sammelst du zu einem bestimmten Thema Begriffe, die dir spontan einfallen. Du musst dabei nicht streng der Reihenfolge nach vorgehen. Es geht gerade darum, möglichst frei zu denken und vorhandenes Wissen abzurufen.

Die Idee erinnert an Stadt, Land, Fluss. Allerdings gibt es einen entscheidenden Unterschied: Bei der ABC-Liste steht nicht der Wettbewerb im Mittelpunkt. Du möchtest auch nicht möglichst schnell eine vollständige Liste füllen. Vielmehr nutzt du die Buchstaben als Impulse, um dein Denken anzuregen.

Wichtig ist dabei mir eine faire Einordnung: Ähnliche Prinzipien des assoziativen Denkens gab es auch unabhängig von Birkenbihl. Sie hat die ABC-Liste jedoch besonders geprägt und als Lern- und Kreativtechnik verbreitet.

Warum kann das beim Lernen helfen?

Wenn wir etwas Neues lernen, fangen wir selten bei null an. Wir bringen bereits Wissen, Erfahrungen und Vorstellungen mit.

Manchmal ist dieses Vorwissen aber nicht sofort abrufbar. Wir sitzen vor einer Aufgabe und denken: „Mir fällt einfach nichts ein!“

Eine ABC-Liste kann hier einen Einstieg bieten. Die einzelnen Buchstaben geben kleine Denkimpulse. Statt vor einer leeren Seite zu sitzen, suchen wir nach Begriffen, die zu einem Thema passen.

Dabei können wir:

  • unser Vorwissen aktivieren,
  • Zusammenhänge entdecken,
  • neue Ideen entwickeln,
  • Begriffe wiederholen und
  • erkennen, was wir bereits wissen und wo noch Lücken bestehen.

Die ABC-Liste ist damit vor allem ein Werkzeug zum Aktivieren, Sammeln und Ordnen von Wissen. Sie ersetzt nicht jede andere Lernmethode. Was wir aufgeschrieben haben, müssen wir bei Bedarf weiterhin gezielt üben und wiederholen.

Die ABC-Methode heute

Inzwischen wird die ABC-Liste in unterschiedlichen Lern- und Arbeitskontexten eingesetzt. Sie eignet sich beispielsweise als Einstieg in ein neues Thema, zur Wiederholung nach einer Unterrichtseinheit oder zur gemeinsamen Ideensammlung.

Auch in der Erwachsenenbildung kann sie helfen, vorhandenes Wissen sichtbar zu machen und neue Gedanken anzustoßen.

Das Schöne daran: Die Methode braucht kaum Material. Papier und Stift reichen aus. Sie lässt sich allein, zu zweit oder in einer Gruppe ausprobieren.

Und natürlich kann man sie an das jeweilige Lernziel anpassen.

Und was hat das mit Lateinvokabeln zu tun?

Jetzt wird es für mich besonders spannend.

Beim Lateinlernen begegnen uns viele neue Wörter. Manchmal lernen wir sie einzeln und versuchen, sie möglichst zuverlässig auswendig zu behalten. Dabei übersehen wir leicht, dass wir bereits Anknüpfungspunkte haben.

Welche Wörter kenne ich schon? Welche lateinischen Begriffe kommen mir bekannt vor? Welche deutschen Wörter erinnern mich an Latein? Und welche Verbindungen kann ich zwischen verschiedenen Begriffen herstellen?

Eine ABC-Liste kann dabei helfen, solche Anknüpfungspunkte zu entdecken. Sie ist somit sehr vielfältig. Einen Überblick gibt brain-friendly in dem Blogartikel:

https://blog.brain-friendly.de/2021/02/abc-listen-so-nutzen-sie-das-denktool-intelligent/

Du könntest beispielsweise das Thema „Schule“ wählen und sammeln, welche Begriffe dir dazu einfallen. Anschließend überlegst du, welche davon du bereits auf Latein kennst und welche du neu lernen möchtest.

Dabei geht es nicht darum, zu jedem Buchstaben unbedingt ein Wort zu finden. Auch nicht jeder spontane Einfall ist automatisch eine richtige Übersetzung. Die Liste ist zunächst ein Werkzeug zum Sammeln und Aktivieren. Die sprachliche Richtigkeit überprüfen wir anschließend.

Gerade diese Unterscheidung ist wichtig: Die ABC-Liste hilft dir, dein Wissen in Bewegung zu bringen. Sie garantiert nicht, dass du neue Vokabeln allein dadurch dauerhaft behältst.

Eine Methode ist kein Zaubertrick

Ich finde es spannend, wie sich bekannte Denkprinzipien für unterschiedliche Lernziele nutzen lassen.

Die ABC-Liste ist kein Geheimrezept, mit dem plötzlich alle Vokabeln mühelos sitzen. Sie kann aber einen anderen Zugang eröffnen: weg vom bloßen Abarbeiten einer Liste und hin zum aktiven Nachdenken über Wörter und Zusammenhänge.

Und genau darum geht es mir auch im Vocabularium: Wir schauen uns verschiedene Lernmethoden an, verstehen ihre Möglichkeiten und Grenzen und überlegen, wie wir sie sinnvoll einsetzen können.

Denn nicht jede Methode passt zu jedem Menschen und jeder Lernsituation.

Manchmal brauchen wir Bilder. Manchmal helfen uns Assoziationen. Und manchmal ist es sinnvoll, eine Methode mit einer anderen zu verbinden.

Weniger ist mehr – wenn wir wissen, was wir tun und warum.

Im Vocabularium geht es deshalb nicht darum, möglichst viele Lernmethoden zu sammeln. Es geht darum, passende Werkzeuge kennenzulernen und sie bewusst einzusetzen.

Im Grunde genommen kann man sagen, dass es eine enorme Zeitersparnis ist, wenn die Vokabeln gehirngerecht und mit der für einen und für das Lernziel geeigneten Lernmethode gelernt werden.

Welche Methode dir beim Vokabellernen am meisten hilft, darfst du beim Vocabularium selbst herausfinden

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