Vorschulzauber 18: Lesefreude entwickeln

Vor zwei  Jahren wurde die „neue“ Iglustudie veröffentlicht. Neu in Anführungszeichen deshalb,  weil die Studie im Jahr 2021 durchgeführt wurde und erst zwei Jahre später veröffentlicht wurde. Sie war insofern schockierend,  weil herauskam, dass 25% der Kinder in der 4. Klasse nicht flüssig lesen konnte. Für viele war und ist das ein Skandal. Ich habe die Kommentare noch im Ohr. Schuldzuweisungen hin und her. Die Schule hat Schuld, die Eltern haben Schuld. Es ging hoch her in den Medien, als es herauskam. Einiges wurde seitdem verändert, vor allem in den Schulen ist Lesen wieder mehr ins Blickfeld genommen. Ob es ein gutes Zeichen, dass für Extra Lesestunden allerdings andere Fächer nur noch halbjährlich oder wieder in der ganzen Klasse unterrichtet werden, steht auf einem anderen Blatt.

Aber auch die Eltern können einiges tun, um die Lesefreude bei ihren Sprößlingen zu stärken. Es gibt so einige Dinge und nicht nur regelmäßiges ( nicht langes) Üben zu Hause hilft auch schon, um die Lesefreude zu stärken. Allerdings gibt es schon auch andere Dinge, die vor dem eigentlichen Lesen Lernen auf dem Plan stehen sollten: Von dreien möchte ich hier im Vorschulzauber Tag 18 berichten:

Vorlesen

Ich bin mit Vorlesen aufgewachsen, meine Kinder tun es ebenso. Denn ich weiß, dass regelmäßige Vorlesen die Lesefreude stärkt wie nichts anderes. Und zwar regelmäßig bringt es an dieser Stelle, am besten täglich! Eine feste Uhrzeit und das muss nicht abends sein.  Bei uns ist es die feste Vorlesezeit geworden, abends vor dem Schlafen gehen, oft mittlerweile im Bett, meistens aber gemütlich auf unserem Sofa. Die Große macht sich oft dabei noch fertig, während der Kleine schon vorgelesen bekommt. Dann darf die Große sich ein selbst gewähltes Buch aussuchen. Beide sind momentan 4 und 6 Jahre jung und die Zeit wird von allen sehr genossen. Abendliches Vorlesen hat folgende Vorteile:

  • die Kinder kommen zur Ruhe
  • sie bekommen normalerweise nochmal kuschelnd Endorphine mit und die elterliche Bindung wird gestärkt
  • sie nehmen viel Wortschatz passiv auf
  • abendliches Vorlesen bereitet optimal auf die Schule vor

Diese Ergebnisse sind sogar wissenschaftlich bewiesen. Sprachlich passiert enorm viel.

https://www.maskinderakademie.de/2025/warum-vorlesen-vor-dem-schlafen-so-wertvoll-ist/

Aber egal zu welcher Zeit vorgelesen wird, die Vorteile sind nicht nur sprachlicher Art. Ich empfehle es sehr, zur einer bestimmten Zeit am Abend vorzulesen.

Selber gerne lesen

Jesper Juul hat es in seinen Erziehungsratgebern geschrieben und viele anderen wissen es auch sehr gut:

Das eigene Vorbild ist das Beste. Friedrich Fröbel, der Begründer der Kindergartenidee, schrieb folgendes:

„Erziehung besteht aus zwei Dingen: Beispiel und Liebe.“   

Friedrich Fröbel

Und Jesper Juul möchte ich auch ganz gerne nochmal dazu Wort kommen lassen:

„Kinder machen nicht das, was wir sagen, sondern was wir tun.“

Jesper Juul

Diese Beispiel-Zitate passen ganz gut in diesen Kontext „Lesefreude“. Denn gerade in dieser schnelllebigen Zeit wird es ein Kind schwer haben, wenn es eine Leseratte werden könnte, wenn die Eltern oder sonstige Bezugspersonen nicht gerne lesen. Das Kind wird dann nur lesen, wenn es muss und und nicht mit Freude verbinden. Deshalb gebt euren Kindern Gelegenheit, euch beim Lesen zu „erwischen“. Erzählt ihnen, dass ihr gerne lest und lasst es sehen, dass ihr euch zum Lesen auch gerne mal zurückzieht. Für mich war es symptomatisch für unsere Familie, als mein Mann in der Elternzeit mit dem Kleinen irgendwann, weil die Kinder wieder irgendwas von ihm wollten, das ist echt, was mir fehlt, ein ruhiger Moment, um in meinem Buch weiterzukommen, um weiterzulesen. Er hat auch beim Rucksack packen immer ein Buch dabei, dass er regelmäßig während Bus- und Bahnfahrten weiterliest.

Bei mir kommen die Kinder immer wieder mit, wie ich mich zum Lesen zurückziehe und auch in der Badewanne  immer mein aktuelles Buch dabei ist. Es ist normal, bei uns, dass Bücher uns umgeben und sie bekommen mit, dass spannende Geschichten da drin stehen. Die Großeltern lesen alle gerne und wenn mal ein Kind dort übernachtet, dann wird dort selbstverständlich auch vorgelesen.

Wir haben immer Bücher als Normal gehabt. Fernsehen schauen ist tatsächlich eher „Luxus“, Bücher werden täglich vorgelesen. Da sage ich aber nochmal zu, im Medienkonsum- Blogartikel Beitrag.

Mehr Bücher als Medien in der Kindheit

Damit komme ich nun auch schon zu meinem dritten und letzten Tipp in diesem Blogartikel zu dem Thema: In der Kindheit sollten mehr Bücher als sonstige Medien vorkommen. Denn Bücher lesen und vorlesen bietet viele Vorteile, die in der Schule von immenser Bedeutung sind:

  • bringt passiven und aktiven Wortschatz
  • es bringt Diskussionsthemen immer  in den Alltag
  • es regt die Phantasie an
  • fördert eine gute Deutschnote
  • wirkt aktiv gegen LRS bzw. hilft, keine groß ausgeprägte LRS zu bekommen
  • Bücher lesen und vorgelesen bekommen bewirkt einen großes Literacy- Schatz
  • der Kopf ist immer mit dabei, nur „berieseln“ gibt es in der Regel nicht
  • die Verbindung Gehörtes- Schriftsprache wird gefördert

Das sind alles Fähigkeiten, die in der Schule von immenser Bedeutung sind. Ich bin mit einigen Grundschullehrer*innen befreundet, die sagen auch immer neben elementaren Dingen wie Scherenumgang oder selbstständig anziehen fehlt in Deutsch genau das.

Es gibt kein anderes Medium, dass diese Fähigkeiten mehr fördert als das Buch. Andere Medien vernachlässigen fördern nur das eine oder andere. Das Buch hat immer noch viele andere Qualitäten.

Morgen werde ich praktisch und werde ein wenig erzählen, wie Lesen Lernen entspannt ablaufen kann. Auf eine Art und Weise, die wenig Aufwand erfordert und ziemlich  natürlich ist.

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